Achtsamkeit im Zeitalter der Digitalen Revolution | Teil 1: Suchtverhalten

Folgender Artikel ist ein Ausschnitt meiner Arbeit zum Thema „Achtsamkeit im Zeitalter der Digitalen Revolution“. Während die Annehmlichkeiten der Digitalisierung auf der Hand liegen, widmet sich diese Blogreihe deren Nebenwirkungen inklusive Empfehlungen für die Zukunft. Viele Menschen neigen im Umgang mit digitalen Medien dazu, in Bequemlichkeit zu verfallen und die langfristigen Konsequenzen zu ignorieren. Wörter wie FoMO (Fear of Missing Out bzw. die Angst, etwas zu verpassen) oder Smombie (Kofferwort aus Smartphone und Zombie, Jugendwort des Jahres in Deutschland 2015) haben sich im Sprachgebrauch etabliert und deuten auf ein Suchtverhalten hin.

 

Seit der Entwicklung des World Wide Web durch Tim Berners-Lee im Jahr 1989 hat sich das einst relative starre Internet zu einer benutzerfreundlichen Integrationsplattform (Web 2.0, 2003 erstmals erwähnt) entwickelt. Durch die Einführung von Social Media und internetfähigen Endgeräten stieg auch die Nutzung des Internets rasant. Dadurch, dass die Nutzung anderer Medienkanäle wie Fernsehen oder Radio nicht wesentlich abgenommen hat, ist es zu einer rasanten Ausdehnung der Beschäftigungszeit mit Medien gekommen. Die Vielzahl an neuen Möglichkeiten erhöht auch die Gefahr für Abhängigkeit.

 

Das Center for Humane Technology – eine gemeinnützige Organisation, die sich auf die Ethik der Verbrauchertechnologie konzentriert – bezeichnet Smartphones als Glücksspielautomaten in der Hosentasche. Technologieunternehmen haben die letzten 20 Jahre damit verbracht, Onlineprodukte zu erschaffen, die gezielt abhängig machen. Social Media-Plattformen haben zum Ziel, dass Menschen möglichst lange auf ihren Seiten verweilen, um möglichst viele Daten über ihre Nutzer sammeln zu können. Die dabei zur Anwendung kommenden Tricks sind bereits aus anderen Bereichen des Lebens bekannt. Die Miniserie „Dopamin“ auf Arte beschäftigt sich mit einigen dieser Mechanismen auf bekannten Plattformen wie Tinder, Facebook oder YouTube.

 

Social-Media-Sucht zählt neben der Online-Spielsucht und der Cybersex- bzw. Pornosucht zu den Formen der substanzungebundenen Sucht im Internet, das heißt, sie ist nicht an die Einnahme von Substanzen wie Alkohol oder Nikotin gebunden. Im Gegensatz zu den anderen Formen der Internetsucht wird die Computerspielsucht seit 2018 offiziell von der WHO als Krankheit anerkannt. Neben den bekannten körperlichen Nebenwirkungen hat dieses Suchtverhalten auch Auswirkungen auf unsere mentale Gesundheit: Depressionen, Angststörungen und Empathieverlust sind nur einige der psychischen Folgeerscheinungen. Die Konsequenzen unseres problematischen Umgangs mit digitalen Medien sind weitreichend und können sogar zu einer Gefährdung der Demokratie führen. Da die Entstehung von Sucht vor allem im Kindes- und Jugendalter begünstigt wird, gilt es, diese besonders zu schützen. Als Eltern und Mentoren können wir hier mit gutem Beispiel vorangehen.
 
Um Süchten vorzubeugen, hilft es, diese zu erkennen und zu verhindern, egal wie stark der Druck der Gesellschaft ist. Digitale Technologien sollten genau dort zum Einsatz kommen, wo ihre Stärken voll zum Tragen kommen und aus anderen Lebensbereichen möglichst komplett herausgehalten werden. Qualität statt Quantität im Umgang mit unseren Mitmenschen und Tätigkeiten lautet hier das Erfolgsrezept – JoMO statt FoMO.
 
Autor und Historiker Yuval Noah Harari warnt in seinem Buch „21 Lessons for the 21st Century“ davor, dass es durch die Entwicklungen in den Bereichen Biotechnologie und Machine Learning immer einfacher wird, die Emotionen und Bedürfnisse der Menschen zu manipulieren. Auf sich selber zu vertrauen wird zunehmend schwieriger, wenn große Unternehmen genau wissen, wie sie unsere Begierden wecken können. Um diesen Verlockungen zu widerstehen, ist harte Arbeit erforderlich, um das eigene Betriebssystem besser zu verstehen; zu wissen, wer man ist und was man vom Leben erwartet. Andernfalls kann dieses Betriebssystem von außen gehackt und unsere Entscheidungen künftig für uns getroffen werden.
 

Teil 3: Multitasking

Teil 4: Empfehlungen für die Zukunft

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