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Achtsamkeit im Zeitalter der Digitalen Revolution | Teil 2: Schlafstörungen

Folgender Artikel ist ein Ausschnitt meiner Arbeit zum Thema „Achtsamkeit im Zeitalter der Digitalen Revolution“. Teil 2 beschäftigt sich mit dem Thema Schlaf bzw. den Auswirkungen der Digitalisierung auf unseren Schlafrhythmus. Während Schlaf in unserer Gesellschaft oftmals als unnütze Zeit angesehen wird, zeigen wissenschaftliche Studien der letzten Jahre, dass seine Bedeutung unterschätzt wird.

 

Schlaf spielt etwa in der  Gedächtnisverarbeitung eine wichtige Rolle; bereits eine Nacht weniger Schlaf kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) und unser Immunsystem schwächen, wodurch wir beispielsweise anfälliger für diverse Erkrankungen (z.B. Krebs) sind. Ein bis zwei Stunden weniger Schlaf über mehrere Tage hinweg können sich hierbei genauso negativ auswirken. Übergewicht und Diabetes werden ebenfalls mit schlechtem Schlaf in Verbindung gebracht. Personen mit schlechter Schlafqualität können Emotionen schlechter regulieren und sind anfälliger für Stress, Depressionen und diverse psychische Störungen.

 

Eine norwegische Studie aus dem Jahr 2012 an Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren zeigt, dass fast 100% der Teilnehmer die Stunde vor dem Schlafengehen an digitalen Endgeräten verbringen. Das von diesen Geräten ausgestrahlte Licht ist meist besonders hell und befindet sich mit einer Wellenlänge von etwa 450 Nanometern großteils im Blaulichtbereich. Wenn dieses Licht ins menschliche Auge dringt, wird die Produktion des Schlafhormons Melatonin im Gehirn gehemmt. Dadurch verschiebt sich der zirkadiane Rhythmus und man schläft schlechter oder später ein. Zusätzlich wird die Schlafqualität durch die emotionale Beanspruchung, welche durch die Nutzung von sozialen Medien oder den Konsum von Videospielen entstehen kann, beeinträchtigt.

 

Dabei ist gesunder Schlaf vor allem während der Schulzeit von großer Bedeutung: Über den Tag gelerntes Wissen wird während des Schlafes im Gehirn verfestigt. Auch vor dem Lernen ist ausreichend Schlaf von Vorteil. Bereits eine Nacht Schlafentzug beeinträchtigt die Funktion des Hippocampus (der Teil des Gehirns, der für Gedächtnis und Lernen zuständig ist) deutlich, was sich negativ auf die Fähigkeit, neue Erfahrungen im Gedächtnis einzuprägen, auswirkt. Manche Experten vermuten einen Zusammenhang zwischen Verkürzung des Schlafs bei Jugendlichen infolge der Nutzung digitaler Endgeräte vor dem Schlafengehen und der Abnahme des Bildungsniveaus.

 

Während unsere Vorfahren daran gewöhnt waren, ihre Schlafenszeiten an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus anzupassen, wird ein Großteil von uns vom Läuten des Weckers bzw. Smartphones geweckt. Ebenso ist es Routine, vor dem Schlafengehen nochmal zum Handy zu greifen. Anstatt auf unseren Körper zu hören, wird unser Schlaf also von unserem digitalen Begleiter diktiert. Experten raten dazu, spätestens zwei Stunden vor dem Schlafen keine beleuchteten Displays mehr zu nutzen, um die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin zu fördern. Smartphone-Hersteller bieten mittlerweile einen Nachtmodus für ihre Geräte an, der den Blaulichtanteil der Bildschirme reduziert. Die beste Lösung wäre allerdings, elektronische Geräte komplett aus dem Schlafzimmer zu verbannen.

 

Teil 1: Suchtverhalten

Teil 3: Multitasking

Teil 4: Empfehlungen für die Zukunft

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