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Achtsamkeit im Zeitalter der Digitalen Revolution | Teil 3: Multitasking

Folgender Artikel ist ein Ausschnitt meiner Arbeit zum Thema „Achtsamkeit im Zeitalter der Digitalen Revolution“. Durch die rasante Entwicklung neuer Medien und digitaler Endgeräte der letzten Jahre ist es zur Gewohnheit geworden, mehrere Medienkanäle gleichzeitig zu nutzen. Jede Aktivität kann von Musik, Selfies oder Social Media Updates begleitet werden. Digitale Medienkanäle ergänzen oder besser gesagt ersetzen zudem zunehmend persönliche Kommunikation.

 

Multitasking hat sich mittlerweile sowohl in unserem Privatleben als auch in der Arbeitswelt etabliert. Dienste wie Quibi oder TikTok nutzen die sinkende Aufmerksamkeitsspanne der Menschen bereits als Geschäftsmodell. Während manche Firmen Multitasking als Anforderung für potenzielle Mitarbeiter sehen, existieren Behauptungen, dass sich unser Gehirn auf Grund der digitalen Informationsflut weiterentwickelt, um besser damit umzugehen. Dass diese Aussage nicht nur falsch ist, sondern Multitasking sogar auf Dauer schädlich für uns sein kann, belegen mittlerweile mehrere Studien.

 

Wenn man erwachsenen Menschen zwei einfache Aufgaben gleichzeitig stellt, die ihnen jeweils nur ein Minimum an kognitiver Leistung abverlangen, dann verdoppelt sich die Zeit, die sie zur Lösung der Aufgabe brauchen. Die mentale Leistungsfähigkeit eines Erwachsenen reduziert sich auf die eines Schulkindes. Der präfrontale Cortex in unserem Gehirn (verantwortlich für gezielte Motorik und Exekutivfunktionen) arbeitet seriell, wodurch er nur eine Sache gleichzeitig erledigen kann. Multitasking führt in der Realität also zu einem rapiden Switching in unserem Gehirn und kostet eine Menge Energie. Nach einer Ablenkung brauchen wir über 20 Minuten bis wir uns wieder voll und ganz fokussieren können. Chronisches Multitasking kann sogar zu Veränderungen in unserer Gehirnstruktur führen.

 

Warum aber neigen wir zu Multitasking? Neben dem subjektiven Empfinden, produktiver zu sein, da sich unser Gehirn mehr anstrengen muss, kann auch die Angst etwas zu verpassen (bzw. FoMO – siehe Teil 1) eine Motivation sein. Durch die ständige Aufrechterhaltung dieser partiellen Aufmerksamkeit wird auch unser Fight-or-Flight Response aktiviert. Dies führt zu einem dauerhaften Zustand der Überstimulierung gepaart mit einem Gefühl mangelnder Erfüllung, wodurch stressbezogene Krankheiten oder Burnout hervorgerufen werden können. Außerdem gefährden wir durch Multitasking z.B. im Straßenverkehr unsere Mitmenschen – Unachtsamkeit bzw. Ablenkung gilt als Unfallursache Nummer eins in Österreich.

 

Stanford-Professor Dr. Clifford Nass spricht im Zusammenhang mit seiner Forschung über Multitasking von besorgniserregenden Resultaten:

„Es stellt sich heraus, dass Multitasker in jeder Hinsicht schrecklich sind! Sie werden ständig abgelenkt. Ihr Gedächtnis ist sehr unorganisiert. Jüngste Arbeiten, die wir durchgeführt haben, deuten darauf hin, dass ihr analytisches Urteilsvermögen schlechter ist. Wir befürchten, dass wir Menschen schaffen, die möglicherweise nicht gut und klar denken können.“

 

In Zukunft werden Firmen den Wert ihrer Mitarbeiter nicht mehr anhand ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse messen, sondern in Abhängigkeit ihrer Begabung, sich auf eine Sache konzentrieren zu können. Als Gegenentwurf zum Multitasking beschreibt Singletasking (bzw. Unitasking) das fokussierte Arbeiten an einer Aufgabe bzw. einem Projekt. Gezieltes Achtsamkeitstraining kann dabei helfen, unsere Aufmerksamkeit wieder besser zu lenken.

 

Teil 1: Suchtverhalten

Teil 2: Schlafstörungen

Teil 4: Empfehlungen für die Zukunft

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